| Jürgen
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Haymarket auf Briefmarke
Es gibt Ereignisse, die für alle Strömungen der revolutionären
ArbeiterInnenbewegung von Bedeutung ist. Der Streik am 1. Mai 1886 in den
USA und die Ereignisse auf dem Haymarket in Chicago gehört sicherlich
dazu. In 11.562 Betrieben streikten über 350.000 ArbeiterInnen, davon
alleine in Chicago über 40.000, für den 8-Stunden-Tag. Am 3. Mai
feuerte die Polizei vor der Landmaschinenfabrik von McCormick, die seit dem
16. Februar bestreikt wurde, auf ausgesperrte Frachtverlader. Die anschließende
Protestversammlung auf dem Haymarket endete mit einem Blutbad. Von wem und
von welcher Seite die Bombe geworfen wurde, ist niemals ermittelt worden.
Am 21. Juni 1886, kurz nach dem Tod des siebten Polizisten wird in Chicago
dem Anarchismus der Prozess gemacht. Des gemeinschaftlichen Mordes angeklagt
sind die sechs deutschen Arbeiter Georg Engel, Adolph Fischer, Louis Lingg,
Oskar Neebe, Michael Schwab und August Spies, der Engländer Samuel Fielden
und, in Abwesenheit, der gebürtiger Amerikaner Albert R. Parsons. Alle
bis auf Oskar Neebe wurden zum Tode verurteilt, Neebe bekam 15 Jahre Zuchthaus.
Die Urteile gegen Fielden und Schwab wurden nach einem Gnadengesuch in lebenslängliche
Freiheitsstrafen umgewandelt. Lingg beging einen Tag vor der Hinrichtung Selbstmord.
Parsons, Spies, Engel und Fischer wurden am 11. November 1887 hingerichtet.
Am 26. Juni 1893 wurde Neebe, Fielden und Schwab wegen erwiesener Unschuld
begnadigt, es war ein durch Bestechung herbeigeführter „Justizirrtum“.
Im Jahre 1889 beschlossen Vertreter(innen?) der Arbeiter(innen?)bewegung in
Brüssel den 1. Mai 1890 zum internationalen Kampf- und Streiktag der
ArbeiterInnen zu machen. Die Führung der deutschen Sozialdemokratie sabotierte
die Vorbereitungen und pfeift die ArbeiterInnen zurück. Seitdem ist der
1. Mai ein wichtiges Datum für die transnationale ArbeiterInnenbewegung.
Die NationalsozialistInnen erklären den 1. Mai zum „Tag der Arbeit“.
Seitdem ist der 1. Mai in Deutschland ein gesetzlicher Feiertag und kein Kampftag
mehr.
Zum 100. Jahrestag es Streikes in den USA verausgabt die Post von Griechenland
die einzige Briefmarke, die an diesem historischen Ereignis der ArbeiterInnenbewegung
erinnert. Warum gerade Griechenland? Das hat wohl weniger mit den Sympathien
mit den Streikenden und ihre Zielen zu tun, als mit dem Antiamerikanismus,
der in Griechenland von ganz rechts bis ganz links tun.